Privatfernsehen – Der Beginn vom Ende

TEIL 1 – Schon vor der Tradition regierte Money
TEIL 2 – Football vs Money – Investorenübernahme
TEIL 3 – Privatfernsehen – Beginn vom Ende
TEIL 4 – Topklubs vereinigt euch
TEIL 5 – ECA und der Putschversuch

Um zu verstehen, warum Medienmogule plötzlich sich in Staat und Fernsehen einmischten, ist an sich nicht schwer. Ein Milliarden-Markt. Wie es auch die Amerikaner bereits klar feststellten. Europa war gerade im Fussball (sowie der US-Sport) ein Top-Markt. Also mussten staatliche Institutionen aufgebrochen werden. Letztlich beeinflussten die reichen Männer die dortigen Politiker. Glauben sie mir, die hatten damit schon immer Übung. In Deutschland war es sehr interessant: Helmut Kohl war 1982 der Politiker und Kanzler, der das GEZ-Monopol zum Einsturz brachte. In Verbindung mit folgenden Namen:

1. Leo Kirch: Der Schattenmann des deutschen Fernsehens

Der wichtigste Einflüsterer war der bayerische Film- und Medienunternehmer Leo Kirch.

  • Die Verbindung: Kirch war ein enger Duz-Freund von Kohl und ein gigantischer Parteispender der CDU/CSU.
  • Das Interesse: Kirch besaß die größten Filmrechte-Bibliotheken Europas. Ihm gehörten die Rechte an tausenden Hollywood-Filmen und Sportevents, aber ARD und ZDF kauften ihm aber nur wenig ab.
    Also wie das Problem lösen ? Kirch brauchte eigene, private Fernsehsender (SAT.1, später ProSieben und Premiere), um seine Film- und Fußballrechte gewinnbringend zu verwerten.
  • Der Deal: Kohl öffnete per Gesetz den Markt – Kirch lieferte den Inhalt und stützte die Konservativen medial.

2. Christian Schwarz-Schilling: Der Postminister mit dem Kupferkabel

Kohl setzte Christian Schwarz-Schilling (CDU) als Postminister ein.

  • Der Kabel-Rausch: Schwarz-Schilling trieb ab 1982 rigoros die Brikettierung und Verkabelung Deutschlands voran (mit Kupferkabeln statt der damals schon möglichen Glasfaser!!!).
  • Der Interessenskonflikt: Schwarz-Schillings Ehefrau war an einer Firma (Sonnenschein) beteiligt, die Bleibatterien und Bauteile für eben diese Kabelnetze herstellte. Der politische Spottname „Kabel-Schilling“ kam nicht von ungefähr.

3. Reinhard Mohn & Bertelsmann (RTL)

Auch der Gütersloher Medienriese Bertelsmann unter Reinhard Mohn (starb 2009, Liz Mohn seine Ehefrau übernahm) drängte massiv in den Markt. Bertelsmann erkannte, dass die gedruckte Presse (Gutenberg-Galaxis) gegen das Bewegtbild verlieren würde. Sie verbündeten sich mit dem luxemburgischen Sender RTL plus und bauten den Sender mit deutschem Privatkapital zur Werbe-Goldgrube aus.

4. Das politische Kalkül: Die „Ausräumung der linken Medienfestung“

Kohl und die CDU hatten noch ein ganz anderes, tief sitzendes Motiv: Politische Einflussnahme.

Kohl sagte einmal intern sinngemäß, das Privatfernsehen sei nötig, um das Erziehungs-Monopol der öffentlich-rechtlichen Journalisten zu brechen. Man erhoffte sich durch boulevardausschnittsreiches Privatfernsehen eine „Entpolitisierung“ und eine konservativere Medienlandschaft.

In den 1970er und 1980er Jahren galt das öffentlich-rechtliche Fernsehen (insbesondere Magazine wie Panorama oder Monitor) in den Augen der CDU als stark links-liberal unterwandert.

Leo Kirch war es dann auch, der die Bundesliga-Rechte kaufte, sie auf SAT.1 (ran) parkte und gleichzeitig die Deutschen in sein Pay-TV-Projekt Premiere locken wollte. Als Kirchs Medienimperium 2002 spektakulär kollabierte (die berühmte „Kirch-Pleite“), riss er beinahe die gesamte Bundesliga mit in den Abgrund, weil die Klubs vollkommen süchtig (wie bei Drogenabhängigen) nach seinem TV-Geld geworden waren. Im Grunde hingen zu dieser Zeit alle Ligaklubs irgendwo an einer finanziellen „Nadel“.
Entweder über Kirch&Co oder über das Mäzentum.

Der Kollaps in Deutschland (2002)

Als die Kirch-Gruppe im April 2002 Insolvenz anmeldete, fehlten den Bundesligisten von heute auf morgen hunderte Millionen Euro. Das hatte dramatische Folgen:

Der FC Bayern als „Dealer“: Bei der Pleite kam ans Licht, dass Bayern München bereits 1999 einen Geheimvertrag mit Kirch abgeschlossen hatte. Kirch zahlte den Bayern rund 40 Millionen Mark extra, damit sie sich für die zentrale Vermarktung der Liga einsetzten. Der reichste Klub der Liga hatte sich vom Rechteinhaber extra bezahlen lassen, um das System stabil zu halten.

Todesangst in der Liga: Mehreren Klubs (u. a. Borussia Dortmund, Hertha BSC, Eintracht Frankfurt, Schalke 04) drohte das sofortige Aus oder der Entzug der Lizenz, weil sie fest eingeplante TV-Gelder bereits für Gehälter verpfändet hatten.

Staatsbürgschaften im Gespräch: Die Panik war so gewaltig, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder und die NRW-Landesregierung ernsthaft über Millionenbürgschaften aus Steuergeldern verhandelten, um die Liga vor dem Bankrott zu retten.

Absolut. Das Jahr 1998 markiert den strukturellen Bruchpunkt im deutschen Fußball, als die pure Überlebensnotwendigkeit das klassische Vereinsrecht sprengte.

Dass DFB-Präsident Egidius Braun und der DFB-Bundestag am 24. Oktober 1998 die Satzung änderten und die Ausgliederung der Profiabteilungen in Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, KGaA) überhaupt erst erlaubten, war die direkte Antwort auf den medialen und finanziellen Druck, den Leo Kirch, das Privatfernsehen und die Champions League aufgebaut hatten.

Es gab zwei Haupttreiber für diese dramatische Wende:

1. Die juristische und steuerliche Notbremse (Das Vereinsrecht)

Wichtig zu wissen: Ein e.V. (eingetragener Verein) ist nach deutschem Recht auf die Pflege des Amateursports und das Gemeinwohl ausgelegt (§§21 BGB). Etwa Mitte der 1990er Jahre setzten Bundesliga-Klubs aber bereits dreistellige Millionen-DM-Summen um.

  • Bedrohte Gemeinnützigkeit: Den e.V.s drohte durch das Finanzamt die Entziehung des Sonderstatus, weil die Profi-Betriebe wirtschaftliche Giganten geworden waren.
  • Persönliche Haftung der Vorstände: Vereinspräsidenten (wie damals Gerhard Mayer-Vorfelder beim VfB Stuttgart oder Willi Lemke bei Werder Bremen) hafteten mit den alten Vereinsstrukturen im Ernstfall persönlich für Fehlinvestitionen. Ein unhaltbarer Zustand bei Millionentransfers.

2. Die Jagd nach frischem Eigenkapital

Um im Gehaltswahnsinn von Bosman (1995) und der Champions League mitzuhalten, reichten Mitgliedsbeiträge und normale Sponsoren nicht mehr aus. Bereits 1979 Uli Hoeneß hatte er die Ansicht vertreten, das man einen Verein nicht mehr über Mitgliederbeiträge finanzieren kann. Die 20jährige spätere Ausgliederung war dann endgültig der Schlüssel zu neuen Finanzquellen:

  • Der Gang an die Börse: Borussia Dortmund lagermäßig voran: Der BVB gliederte seine Lizenzspielerabteilung in die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA aus und ging Oktober 2000 als erster deutscher Klub an die Börse.
  • Strategische Partner (Das Modell Bayern): Der FC Bayern München wandelte seinen Profibereich 2001 in eine AG um. Das Ziel war nicht die Börse, sondern der gezielte Anteilsverkauf an strategische Partner (später adidas, Audi, Allianz je 8,33%), die Hunderte Millionen Eigenkapital direkt in die Kasse spülten.

Die Geburtsstunde der 50+1-Regel (1998)

Weil der DFB aber panische Angst davor hatte, dass deutsche Klubs wie im Ausland von einzelnen Milliardären oder Unternehmen komplett aufgekauft werden, koppelte man die Ausgliederungs-Erlaubnis an die 50+1-Regel, die bis heute gilt. Auch hier äußerte sich Hoeneß bereits desöfteren: 50+1 muss fallen, um die Bundesliga spannender zu machen.

Die Absurdität gipfelt darin, dass die DFL vor einer unlösbaren Zwickmühle steht:

Die Macher und Strategen (wie Hoeneß oder Watzke im internationalen Kontext) sehen, wie die Premier League und Tech-Milliardäre die europäische Landkarte neu zeichnen, während die Bundesliga sich mit Statuten selbst die Hände bindet.

Die Fans & Ultras verteidigen 50+1 als letzte Bastion der Mitbestimmung und Romantik (siehe die protestgeprägten Debatten um den gescheiterten DFL-Investorendeal).

Der FC Bayern als Wegbereiter der Superleague


1. Die Bayern-Historie: Der Traum von der Eliteliga ist Uralt
Dass der FC Bayern – allen voran Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß – schon Ende der 1990er / Anfang der 2000er Jahre an Plänen für eine europäische Superliga (damals im Umfeld der G-14) tüftelte, war kein Zufall. Es war die direkte Reaktion auf:

  1. Die Abspaltung der Premier League (1992) und deren TV-Vorsprung.
  2. Den viel zu kleinen deutschen TV-Markt vor der Jahrtausendwende im Vergleich zu Italien oder England.

Schon vor 25 Jahren erkannten die Macher in München, dass die Bundesliga als nationaler Markt zu klein ist, um die globalen Gehaltsexplosionen dauerhaft allein über Wurst, Bier und heimisches TV-Geld zu refinanzieren.

2. Warum 50+1 und die Absage zur Super League gegenseitig kollidieren

Das deutsche Modell hat sich selbst in eine mathematische Falle manövriert:

  • Die DFL-Klubs blockieren frisches Kapital: Durch das Festhalten an 50+1 und die Ablehnung von strategischen Investoren (wie beim gescheiterten DFL-Investorendeal durch die Fan-Proteste) bleibt das Gesamtprodukt Bundesliga im internationalen Rechteverkauf weit hinter der Premier League zurück.
  • Die Bayern sitzen fest: Der FC Bayern dominiert zwar die Bundesliga, verdient dort aber im Vergleich zu englischen Abstiegskandidaten zu wenig TV-Geld.
  • Der Fan-Druck blockiert den Ausweg: Gleichzeitig kann der FC Bayern nicht einfach in eine Super League abwandern, weil die eigenen Vereinsmitglieder und die deutsche Fankultur das System sprengen würden.

3. Die Konsequenz: Das „Weder-Noch“-Dilemma

Wenn weder 50+1 fällt (um die Bundesliga als Ganzes aufzupumpen) noch die Super League kommt (um den Bayern 200–300 Millionen Euro garantiert pro Jahr einzuspielen), bleibt nur die schleichende relativen Entwertung: Der FC Bayern muss das meisterhafte Kunststück vollbringen, rein über operative Exzellenz, Festgeldkonto und Marken-Sponsoring (adidas, Audi, Telekom) gegen Klubs anzutreten, die das dreifache TV-Geld kassieren oder – wie Liverpool – von Tech-Milliardären wie Jeff Bezos querfinanziert werden können.

All dies hat mit der Idee des gigantischen Fussball-Markt und deren Profit zutun. Was Kirch, Kohl und Konsorten anfingen, nahm seinen Lauf über die DFL und Klubs selbst…dann kam die ECA, die die UEFA angriff…