Topklubs vereinigt euch – ECA vs UEFA

TEIL 1 – Schon vor der Tradition regierte Money
TEIL 2 – Football vs Money – Investorenübernahme
TEIL 3 – Privatfernsehen – Beginn vom Ende
TEIL 4 – Topklubs vereinigt euch
TEIL 5 – ECA und der Putschversuch

Nachdem vielen Klubs und Eigentümer klar wurde, das der aktuelle Geldtopf nicht ausreicht, schloss man sich zusammen, um die UEFA anzugreifen.

Die ECA (European Club Association) war der politische Rammbock, den die europäischen Spitzenklubs – angeführt von Karl-Heinz Rummenigge und den Bayern – in Stellung brachten, nachdem der Druck zu groß wurde.

Die ECA war im Grunde die institutionalisierte Erpressung der UEFA:

Der schleichende Staatsstreich: Als die UEFA zu schwächeln schien, nutzte ein Teil der ECA (unter Florentino Pérez und Andrea Agnelli) genau dieses Netzwerk, um 2021 plötzlich die Super League aus dem Hut zu zaubern und die UEFA über Nacht zu umgehen.

Die Entmachtung der G-14: Die alten G-14 war ein exklusiver, aber zahnloser Tiger aus reinen Eliteklubs, den die UEFA ignorieren konnte. 2008 wurde daraus die ECA – offiziell als von der UEFA anerkannte Interessenvertretung der Klubs.

Das trojanische Pferd: Die ECA saß fortan mit am Verhandlungstisch, sahnte immer größere Anteile an den Champions-League-Erlösen ab und diktierte im Grunde den Spielkalender.

1. Der Monopol-Abzug der UEFA

Die ECA-Klubs argumentierten, dass sie 100 % des Unterhaltungswerts generieren (die Spieler, das Risiko, die Stadien, das Markenkapital), die UEFA als Verband aber als Monopolist (bis heute) dazwischensitzt.

  • Die UEFA behielt stets einen prozentualen Anteil an den Brutto-Einnahmen der Champions League für administrative Apparate, eigene Förderprogramme und Solidaritätszahlungen ein.
  • Aus Sicht der europäischen Top-Klubs (G-14 / ECA) benutzte die UEFA ihr Geld, um kleinere Verbände in Europa querzusubventionieren – vor allem, um sich bei den UEFA-Präsidentschaftswahlen die Stimmen der kleinen Verbände zu sichern (ähnlich was nun Infantino vorgeworfen wird nach seinem aktuellen Vorstoß)

2. Das Abstellen der Nationalspieler (Der Charleroi-Fall)

Ein gewaltiger Streitpunkt der G-14 gegen UEFA und FIFA war das Verletzungsrisiko bei Länderspielen.

  • Die Klubs zahlten astronomische Spielergehälter, mussten ihre Stars aber kostenlos für EM- und WM-Turniere abstellen. Verletzte sich ein Spieler dort (wie beim berühmten Fall des belgischen Klubs RSC Charleroi), blieben die Klubs auf den Gehaltskosten und dem sportlichen Schaden sitzen, während UEFA und FIFA Milliardengewinne mit den Turnieren einfuhren.
  • Erst mit der Gründung der ECA (2008) lenkte die UEFA ein und verpflichtete sich zu Abstellungsgebühren und Versicherungssummen für Nationalspieler.

3. Keine Mitbestimmung bei den Vermarktungsrechten

Bis zur Gründung der ECA hatte die UEFA das alleinige Stimmrecht darüber, wie die Medien- und Sponsorenrechte verkauft wurden und wie der Spielkalender aussah. Die Klubs fühlten sich wie „Angestellte in ihrem eigenen Haus“.

Football Leaks enthüllt fiesen Plan

Die Football Leaks Enthüllungen (veröffentlicht ab November 2018 durch den SPIEGEL und das Recherchenetzwerk EIC) haben anhand von über 70 Millionen Dokumenten genau das belegt, was bis dahin nur als Gerücht galt: Die europäischen Top-Klubs nutzten die Drohung einer Super League systematisch als Erpressungsmittel gegen die UEFA.

Hier sind die drei brisantesten Enthüllungen zur Machtarithmetik und den Plänen der Spitzenklubs:

1. Die Bayern-Prüfung: Ausstieg aus Bundesliga und Champions League (2016)

Aus den Leaks ging hervor, dass der FC Bayern München im Jahr 2016 die internationale Großkanzlei Cleary Gottlieb mit einem Gutachten beauftragte:

  • Die Leitfragen: Michael Gerlinger (damals Chefjustiziar des FC Bayern) ließ rechtlich prüfen, unter welchen Bedingungen der FC Bayern sowohl die Bundesliga als auch die Champions League komplett verlassen könnte.
  • Juristische Details: Es wurde untersucht, ob der FC Bayern bei einem Ausstieg weiterhin verpflichtet wäre, Spieler für die deutsche Nationalmannschaft abzustellen, und ob DFB/DFL oder die UEFA Schadenersatzforderungen durchsetzen könnten.
  • Der Geheimbund: Parallel dazu erarbeiteten Vertreter von sieben europäischen Großklubs (darunter Bayern, Real Madrid, Barcelona, Juventus, Arsenal, AC Mailand) in einer Geheimgruppe konkrete Pläne für eine private, geschlossene Super League ab 2021.

2. Das Erpressungs-Ziel: Der UEFA-Deal von 2016

Das Gutachten und die Geheimverhandlungen dienten vor allem als maximales Druckmittel gegen die UEFA. Zu diesem Zeitpunkt war die UEFA nach dem Rücktritt von Michel Platini führungslos.

  • Das Resultat: Die ECA (European Club Association) erpresste von der UEFA die weitreichendste Champions-League-Reform der Geschichte (gültig ab der Saison 2018/19).
  • Die Zugeständnisse der UEFA:
    1. Garantiert vier Startplätze für die vier top-gerankten Ligen (Deutschland, England, Spanien, Italien) ohne Qualifikations-Risiko.
    2. Ein signifikanter Teil der TV-Gelder wurde fortan über eine Koeffizienten-Rangliste verteilt – eine Historien-Prämie, die traditionsreichen Großklubs hunderte Millionen Euro garantierte, selbst wenn sie sportlich schwächelten.

3. FFP-Mogeleien & Protektionismus für PSG und ManCity

Ein weiterer interessanter pikanter Schwerpunkt der Leaks betraf auch die Rolle von Gianni Infantino (damals noch UEFA-Generalsekretär):

  • Verdeckte Deals: Die Dokumente belegten, dass die UEFA unter Infantino den Klubs Paris Saint-Germain und Manchester City half, die eigenen Financial Fair Play (FFP)-Regeln zu umgehen.
  • Trotz massiver Verstöße gegen die Auflagen durch aufgeblähte Sponsorenverträge aus Qatar und Abu Dhabi handelte die UEFA-Spitze im Geheimen milde Vergleichsvereinbarungen (Settlement Agreements) aus, um Sperren für die Champions League zu verhindern.

Die Football Leaks bewiesen quasi, dass der Konflikt zwischen Klubs und Verbänden nie ein theoretischer Disput war. Die Entwürfe für eine Loslösung lagen 2016 detailliert ausgearbeitet in den Schubladen der Klub-Anwälte. Die Drohung mit der Superleague war und ist das Instrument, mit dem sich die ECA die UEFA endgültig untertan machte.