Ein oft unbeachteter Krieg in Europa war der „Siebenjährige Krieg“ von 1754 bis 1763.
Der Siebenjährige Krieg (1754/1756–1763) war ein globaler Konflikt, der sich aus mehreren miteinander verflochtenen Spannungen und Machtkämpfen in Europa und Übersee ergab. Die Hauptgründe lassen sich in europäische Großmachtkonflikte und koloniale Rivalitäten unterteilen:
1. Europäische Machtkonflikte
- Preußisch-Österreichische Rivalität:
Der zentrale Konflikt in Europa entstand durch den Aufstieg Preußens unter Friedrich dem Großen. Nach dem Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748) hatte Preußen die reiche Region Schlesien von Österreich erobert. Österreich (unter Maria Theresia) strebte danach, Schlesien zurückzugewinnen und die preußische Macht einzudämmen. - Diplomatische Revolution (1756):
Traditionelle Bündnisse brachen um: Österreich verbündete sich mit seinem ehemaligen Erzfeind Frankreich (Habsburg-Bourbon-Allianz), um Preußen zu isolieren. Preußen suchte Schutz bei Großbritannien, welches sich vor allem auf den Seekrieg und die Kolonien konzentrierte.
2. Koloniale und maritime Rivalität
- Britisch-Französischer Konflikt in Nordamerika:
Beide Mächte kämpften um die Vorherrschaft in Nordamerika (French and Indian War, ab 1754). Es ging um die Kontrolle über das Ohio-Tal, die Fischereirechte vor Neufundland und die strategisch wichtigen Flüsse und Forts. - Wettlauf um Indien:
Großbritannien und Frankreich unterstützten rivalisierende indische Fürsten, um Handelsstützpunkte (z. B. Madras, Pondicherry) zu sichern und den lukrativen Handel zu dominieren. - Maritime Vorherrschaft:
Großbritannien strebte nach globaler Seeherrschaft, während Frankreich seine Flotte entsprechend ausbaute, um seine Kolonien zu schützen und den Handel zu kontrollieren.
3. Sicherheitsdilemma und Präventivkrieg
- Friedrich II. von Preußen sah sich von einer Übermacht aus Österreich, Frankreich, Russland und Schweden bedroht. Um einem befürchteten Angriff zuvorzukommen, marschierte er präventiv in das mit Österreich verbündete Sachsen ein (1756). Dies löste den Krieg in Europa aus.
4. Wirtschaftliche und strategische Interessen
- Großbritannien wollte französische Handelsbeschränkungen beenden und seine Kolonialreiche ausbauen.
- Russland (unter Zarin Elisabeth) strebte nach Einfluss in Osteuropa und sah Preußen als Gefahr für seine Expansion nach Westen. (Was unter Stalin ebenfalls wohl Idee war, als auch Putin damit konfrontiert wird seit 2022)
5. Persönliche Ambitionen und Dynastische Konflikte
- Friedrich der Große wollte Preußens Status als Großmacht zementieren.
- Maria Theresia trieb die Revanche für den Verlust Schlesiens voran.
- In Frankreich spielten Prestigedenken und der Wunsch, Österreich zu schwächen, eine Rolle.
Ergebnis des Krieges:
- Frieden von Paris (1763): Großbritannien gewann Kanada, Teile Indiens und weitere französische Kolonien, wurde zur dominierenden Kolonialmacht.
- Frieden von Hubertusburg (1763): Preußen behielt Schlesien, festigte seinen Großmachtstatus; Österreich verlor endgültig Schlesien.
Der Krieg wird oft als erster „weltweiter Krieg“ bezeichnet, da er gleichzeitig in Europa, Nordamerika, der Karibik, Indien und auf den Weltmeeren ausgetragen wurde. Er legte den Grundstein für spätere Konflikte, darunter die Amerikanische Revolution (durch britische Kriegsschulden) und den Aufstieg Preußens in Deutschland.