Die Araber halfen den Briten während des Ersten Weltkriegs im Kampf gegen das Osmanische Reich aus mehreren wichtigen Gründen:
- Unabhängigkeitsbestrebungen: Viele arabische Führer, insbesondere Scherif Hussein von Mekka und seine Söhne, strebten nach Unabhängigkeit von der osmanischen Herrschaft und der Gründung eines vereinten arabischen Königreichs.
- Britische Versprechungen: Die Briten versprachen den Arabern durch die Hussein-McMahon-Korrespondenz (1915-1916) die Unterstützung für die Gründung eines unabhängigen arabischen Staates in den meisten Gebieten des osmanischen Reiches nach einem Sieg.
- Arabischer Nationalismus: Die Idee des arabischen Nationalismus (al-Qawmiyya al-‚Arabiyya) gewann an Bedeutung, mit dem Wunsch nach Selbstbestimmung und Befreiung von türkischer Dominanz.
- Religiöse und kulturelle Unterschiede: Die arabische Bevölkerung fühlte sich zunehmend von der jungtürkischen Regierung in Konstantinopel entfremdet, die türkischen Nationalismus förderte und die arabische Sprache und Kultur zurückdrängte.
- Militärische Zusammenarbeit: Die berühmteste Kooperation war der „Arabische Aufstand“ (1916-1918), angeführt von Scherif Husseins Söhnen wie Faisal, unterstützt durch den britischen Offizier T.E. Lawrence („Lawrence von Arabien“).
Diese Allianz führte zu militärischen Erfolgen gegen osmanische Stellungen und trug wesentlich zur osmanischen Niederlage im Nahen Osten bei. Allerdings wurden viele britische Versprechen später nicht eingehalten, was zu anhaltenden Konflikten in der Region führte.
1932 entstand Saudi-Arabien
Der arabische Aufstand unter Scherif Hussein von Mekka, der den Briten half, führte nicht zur Gründin g des heutigen Saudi-Arabien. Ganz im Gegenteil: Die Entstehung Saudi-Arabiens ist das Ergebnis der Niederlage von Scherif Hussein.
Man muss hier zwischen zwei rivalisierenden Mächten auf der arabischen Halbinsel unterscheiden:
1. Das Königreich des Hedschas (unter Scherif Hussein)
- Wer: Scherif Hussein ibn Ali aus dem Haschemitischen Geschlecht. Er war der Herrscher von Mekka und Medina.
- Rolle: Er war der Verbündete der Briten und löste den „Arabischen Aufstand“ aus.
- Ziel: Ein großes, unabhängiges arabisches Königreich unter seiner Führung.
- Ausgang: Nach dem Krieg gründete er das Königreich Hedschas. Dieses Königreich wurde aber kurz darauf (1924-1925) von seinem großen Rivalen erobert und vernichtet.
2. Das Sultanat Nadschd (unter Ibn Saud)
- Wer: Abd al-Aziz ibn Saud aus dem Haus Saud. Er war der Herrscher eines streng konservativen Staates im innerarabischen Hochland (Nadschd).
- Rolle: Er war nicht am Arabischen Aufstand beteiligt. Er kämpfte seine eigenen Schlachten und stand ebenfalls im Konflikt mit den Osmanen (und deren Verbündeten). Wichtig ist, dass er einen separaten Vertrag mit den Briten hatte (Vertrag von Darin, 1915), in dem seine Unabhängigkeit anerkannt wurde, solange er die britischen Protektorate am Golf nicht angriff.
- Ideologie: Seine Bewegung wurde von der streng islamischen Lehre der Wahhabiyya angetrieben, deren Anhänger man oft als „Ichwān“ (Brüder) bezeichnet.
- Ausgang: Ibn Saud nutzte die Schwäche der Osmanen und der Haschemiten nach dem Krieg. Seine Streitkräfte eroberten 1924/25 das Königreich Hedschas von Scherif Hussein und vertrieben diesen.
Die Gründung Saudi-Arabiens
Am 23. September 1932 vereinte Ibn Saud seine Eroberungen – das Sultanat Nadschd und das eroberte Königreich Hedschas – zum Königreich Saudi-Arabien, das er nach seiner eigenen Familie benannte.
Zusammenfassend:
- Die Araber, die den Briten halfen, waren die Haschemiten unter Scherif Hussein. Sie verloren am Ende und ihr Königreich wurde zerstört.
- Das heutige Saudi-Arabien wurde von deren Rivalen, dem Haus Saud, gegründet, das die haschemitischen Verbündeten der Briten besiegte.
Eine interessante Fußnote: Die Briten belohnten die Haschemiten nach dem Krieg, indem sie Scherif Husseins Söhne zu Königen in anderen neu geschaffenen Staaten machten:
- Faisal I. wurde König des Irak.
- Abdallah I. wurde König von Transjordanien (dem heutigen Jordanien).
Die haschemitische Dynastie herrscht bis heute in Jordanien.
Wichtig zu wissen für die Nahöstlichen Probleme nach 1945.