Die diplomatischen Beziehungen, vor allem Deutschlands zu den anderen Mächten, ändern sich nach 1933 mit der Machtübernahme der Nazis radikal.
Hier ist eine chronologische Übersicht der wichtigsten Abkommen und Verträge, an denen Deutschland und die genannten Staaten beteiligt waren:
Phase 1: Die Ära der Verständigung (vor 1933)
In dieser Zeit war die deutsche Außenpolitik unter Außenminister Gustav Stresemann auf Aussöhnung und Revision des Versailler Vertrags auf friedlichem Wege ausgerichtet.
- Young-Plan (1930)
- Beteiligte: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, USA, Italien, Japan u.a.
- Inhalt: Regelung der deutschen Reparationszahlungen aus dem Ersten Weltkrieg. Er setzte den endgültigen Zahlungsplan fest und beendete die alliierte Militärbesetzung des Rheinlands vorzeitig (1930). Die USA (US-Banken) waren hier vor allem als Gläubiger wichtig.
- Verträge von Locarno (1925, wirken aber bis in diese Zeit nach)
- Beteiligte: Deutschland, Frankreich, Belgien, Großbritannien, Italien.
- Inhalt: Deutschland erkannte seine Westgrenze (gegenüber Frankreich und Belgien) als unverletzlich an. Großbritannien und Italien garantierten als „Schutzmächte“ diese Grenzen. Die Ostgrenzen (gegenüber Polen und der Tschechoslowakei) wurden hingegen nicht in gleicher Weise garantiert. Daher drohte ein kriegerischer Konflikt bereits seit 1925. (Siehe Polen und Angriffspläne gegen Deutschland) Allerdings schloss 1932: Polen einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion, der die Unverletzlichkeit deren Grenze garantierte.
Phase 2: Die NS-Zeit und der Weg in den Krieg (1933–1939)
Nach 1933 folgten zunächst scheinbare Friedensbeteuerungen, dann immer aggressivere, bilaterale Abkommen, die die europäische Ordnung systematisch untergruben.
- Deutsch-britisches Flottenabkommen (18. Juni 1935)
- Beteiligte: Deutschland und Großbritannien.
- Inhalt: Deutschland durfte seine Kriegsmarine auf 35 % der Tonnage der britischen Flotte ausbauen (bei U-Booten sogar 45 %, später 100 %). Dies war ein bruch des Versailler Vertrags und wurde von Großbritannien stillschweigend akzeptiert. Es war ein Meisterstück Hitlers, um Großbritannien zu spalten und die „Einheitsfront“ von Stresa (mit Frankreich und Italien) zu zerstören.
- Münchner Abkommen (30. September 1938)
- Beteiligte: Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien. Nicht beteiligt: Die Tschechoslowakei (der betroffene Staat!) und die Sowjetunion.
- Inhalt: Die Abtretung der sudetendeutschen Gebiete der Tschechoslowakei an Deutschland. Großbritannien (Chamberlain) und Frankreich (Daladier) verfolgten eine Appeasement-Politik, um einen Krieg zu verhindern. Polen und Ungarn sicherten sich kurz darauf ebenfalls Gebiete der Tschechoslowakei. Dies war der Höhepunkt und gleichzeitig das Ende der Appeasement-Politik.
- Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt („Hitler-Stalin-Pakt“, 23. August 1939)
- Beteiligte: Deutschland und die Sowjetunion.
- Inhalt:
- Öffentlich: Verpflichtung, sich gegenseitig nicht anzugreifen und neutral zu bleiben, falls eine Partei von einem Drittland angegriffen wird.
- Geheimes Zusatzprotokoll: Aufteilung Osteuropas in Interessensphären. Finnland, Estland, Lettland fielen an die UdSSR, Litauen und das Gebiet um Wilna an Deutschland. Polen sollte entlang der Flüsse Narew, Weichsel und San aufgeteilt werden. Dieses Abkommen ebnete Hitler den Weg für den Überfall auf Polen eine Woche später.
Wichtige Abkommen mit anderen Staaten in dieser Zeit
- Deutsch-polnischer Nichtangriffsvertrag (26. Januar 1934)
- Beteiligte: Deutschland und Polen.
- Inhalt: Beide Staaten verpflichteten sich, ihre Streitigkeiten für 10 Jahre auf friedlichem Wege zu lösen. Dies diente Hitler dazu, außenpolitisch zu beruhigen und Polen von einer Allianz mit Frankreich zu lösen. Das Abkommen wurde von Deutschland am 28. April 1939 einseitig gekündigt, nachdem Polen das Ultimatum zur Danzig-Frage abgelehnt hatte.
- Viermächte-Abkommen (Juli 1933)
- Beteiligte: Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland.
- Inhalt: Eine vage Absichtserklärung zur Zusammenarbeit in Wirtschafts- und politischen Fragen. Es scheiterte letztendlich und war ein frühes Zeichen für die Schwierigkeiten, mit dem nationalsozialistischen Deutschland zu kooperieren.
- Stresa-Front (April 1935)
- Beteiligte: Großbritannien, Frankreich, Italien.
- Inhalt: Kein Vertrag, sondern eine gemeinsame Front gegen Deutschlands Aufrüstung und seine Ansprüche auf Österreich. Sie wurde schon wenige Monate später durch das deutsch-britische Flottenabkommen und Italiens Angriff auf Abessinien (Äthiopien) gesprengt.
Fehlende Abkommen mit den USA
In dieser Zeit gab es keine bedeutenden bilateralen Verträge zwischen Deutschland und den USA. Die Beziehungen waren nach Hitlers Machtübernahme angespannt. Die USA verfolgten eine Politik des Isolationismus (Neutralitätsgesetze), mischten sich also nicht aktiv in europäische Konflikte ein, bis der Krieg bereits ausgebrochen war.
Zusammenfassung als Tabelle
| Jahr | Abkommen | Hauptbeteiligte | Kernaussage / Folge |
|---|---|---|---|
| 1930 | Young-Plan | DE, FR, GB, USA, IT | Endgültige Regelung der Reparationen |
| 1934 | Deutsch-polnischer Nichtangriffsvertrag | DE, PL | Zeitweilige Entspannung, von DE 1939 gebrochen |
| 1935 | Deutsch-britisches Flottenabkommen | DE, GB | DE darf aufrüsten; bricht Versailler Vertrag |
| 1938 | Münchner Abkommen | DE, GB, FR, IT | Abtretung des Sudetenlands an DE; Höhepunkt des Appeasement |
| 1939 | Hitler-Stalin-Pakt | DE, UdSSR | Nichtangriff und geheime Aufteilung Polens |
| 1939 | Britisch-polnischer Beistandspakt (ergänzend) | GB, PL | Reaktion auf DEs Aggression; GB garantiert Polen militärische Hilfe |
Diese Abkommen zeigen den klaren Weg von einer noch instabilen Kooperation hin zu einer Politik der bilateralen Macht- und Interessensphären, die direkt in den Zweiten Weltkrieg mündete.