Die Verbindung zwischen Preußen und den USA war sowohl wichtig als auch erstaunlich vielfältig. Sie reichte von militärischem Know-how über philosophische Ideen bis zu massenhafter Auswanderung.
Pikant ist, das die USA zweimal nach der positiven Beziehungen zweimal Deutschland zerstörte. 1917 und 1941 mit den jeweiligen Eintritten in Weltkriegen, mit denen sie eigentlich nichts zutun haben wollten oder generell uninteressiert waren. Bestimmte US-Imperalisten trugen zur damaligen US-Kriegspropaganda entsprechend bei.
Wichtige Verbindung Preußen und den USA
1. Militärische und Ausbildungskooperation (vielleicht der bekannteste Bereich)
Dies ist das klassische Bild des „preußischen Drills“ in Amerika.
- Baron von Steuben im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg: Der wohl prominenteste Preuße in der frühen US-Geschichte. Obwohl er nie in der preußischen Armee diente, war er ein preußischer Offizier und formte die kontinentale Armee von George Washington in Valley Forge. Er verfasste das „Regulation for the Order and Discipline of the Troops of the United States“ (die „Blue Book“), das erste offizielle Handbuch der US-Armee, das stark von preußischen Prinzipien geprägt war.
- Einfluss auf die US-Militärakademie in West Point: Nach dem Krieg von 1812, in dem die US-Armee schlecht abschnitt, suchte man nach Vorbildern für Reformen. Man orientierte sich stark am preußischen Militärsystem. (Interessant, oder ?) Sylvanus Thayer, der „Vater von West Point“, reformierte die Akademie nach dem Vorbild der preußischen Ingenieursschule in Potsdam. Preußische Lehrbücher und taktische Konzepte wurden eingeführt.
- Militär-Missionen: Im Amerikanischen Bürgerkrieg reisten zahlreiche Offiziere beider Seiten als Beobachter nach Preußen, um die neuesten Militärtaktiken zu studieren, insbesondere nach den preußischen Siegen gegen Dänemark (1864) und Österreich (1866). Preußen schickte auch Beobachter in die USA, um den Bürgerkrieg zu analysieren.
2. Ideeller und Intellektueller Austausch
Die Ideen der deutschen Aufklärung, die stark von Preußen (insbesondere Berlin) ausgingen, beeinflussten die Gründerväter.
- Preußische Aufklärung: Philosophen wie Immanuel Kant und Christian Wolff wurden an amerikanischen Universitäten gelesen und diskutiert. Ihre Betonung von Vernunft, Bildung und Pflichtgefühl fand Anklang.
- Alexander von Humboldt: Der berühmte Naturforscher und Entdecker aus Preußen war in den USA ein Superstar. Seine Werke waren Bestseller, und seine Ideen über die Einheit der Natur und die Gefahren des Kolonialismus beeinflussten Intellektuelle und Politiker. Sein enger Freund war der US-Präsident Thomas Jefferson. Humboldts Besuch in den USA 1804 war ein gesellschaftliches Großereignis.
3. Wirtschaft und Handel
- Handelsvertrag von 1785: Preußen und die USA schlossen einen der ersten Freundschafts- und Handelsverträge der USA überhaupt (der „Treaty of Amity and Commerce“). Dies war ein wichtiger diplomatischer Erfolg für die junge Republik und öffnete preußische Häfen für amerikanische Schiffe.
- Technologietransfer: Mit den Auswanderern kamen auch technisches Wissen und Fertigkeiten. Preußische Ingenieure, Handwerker und Industrielle brachten fortschrittliche Methoden mit, besonders in Bereichen wie Bergbau, Stahlproduktion und Waffenherstellung.
4. Massenauswanderung (der prägendste Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft)
Ab den 1830er Jahren, und besonders nach der gescheiterten Revolution von 1848/49, wanderten Hunderttausende Deutsche in die USA aus, viele davon aus preußischen Gebieten.
- Die „Forty-Eighters“: Diese politischen Flüchtlinge waren oft gebildet, liberal und demokratisch gesinnt. Sie brachten ihre Ideen in die amerikanische Politik, den Journalismus und das Bildungswesen ein. Sie waren starke Gegner der Sklaverei und unterstützten die Union im Bürgerkrieg.
- Kultureller Einfluss: Die deutschen (und damit auch preußischen) Einwanderer prägten das amerikanische Leben enorm: Brauereien, Turnvereine (die die Entstehung des Schulsports beeinflussten), Kindergärten (nach Friedrich Fröbel), Weihnachtsbäume und eine Vielzahl von Vereinen.
5. Diplomatische Beziehungen im 19. Jahrhundert
Die Beziehungen waren generell positiv, mit einigen Spannungspunkten.
- Unterstützung der Union im Bürgerkrieg: Preußen und der Norddeutsche Bund unter Otto von Bismarck unterstützten offiziell die Union (Nordstaaten) und nicht die Konföderation. Dies lag auch im preußischen Interesse, da man eine Zersplitterung eines großen Nationalstaates (wie die USA) nicht unterstützen wollte – ein Prinzip, das auch für die deutsche Einigung galt.
- Spannungen: Es gab diplomatische Verstimmungen, zum Beispiel als ein preußischer Diplomat (Graf von Görz) während des Bürgerkriegs in San Francisco festgenommen wurde, weil er verdächtigt wurde, die Konföderation zu unterstützen.
Fazit:
Die Verbindung war sehr wichtig. Sie war nicht so kontinuierlich präsent wie die zu Großbritannien oder Frankreich, aber in Schlüsselbereichen von entscheidender Bedeutung:
- Militärisch half Preußen beim Aufbau einer professionellen US-Armee.
- Ideell beeinflussten preußische Aufklärer und Wissenschaftler das amerikanische Denken.
- Demografisch und kulturell prägten preußische Auswanderer die amerikanische Gesellschaft nachhaltig.
Mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 ging die preußische Identität in der deutschen auf, aber die engen Verbindungen blieben bestehen.
War die Verbindung des Deutschen Reiches und den USA fast wie eine „Freundschaft“ ?
Teilweise ja, gerade, weil in den USA auch viele Deutsche bereits seit dem 17.Jhdt einegreit waren.
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Deutschen_in_den_Vereinigten_Staaten
Also, eine „Länderfreundschaft“ klingt nach einer konstanten, herzlichen Beziehung zwischen gleichgesinnten Partnern. Besser beschrieben wäre es vielleicht als eine strategische Partnerschaft mit starken ideellen und menschlichen Verbindungen, die von gegenseitigem Nutzen und Respekt geprägt war und als Hintergrund deutsche Emigrierte.
Argumente FÜR die Idee einer „Länderfreundschaft“:
- Frühe gegenseitige Bewunderung: Die USA sahen in Preußen (und Deutschland) einen Verbündeten im Geiste gegen die alten monarchischen Mächte Europas, insbesondere Großbritannien und Frankreich (schau an !). Preußen wiederum sah in den USA ein aufstrebendes, modernes Land.
- Fundament durch Aufklärung: Wie erwähnt, verband sie das Gedankengut von Kant, Humboldt und anderen. Thomas Jefferson und John Adams bewunderten die preußischen Reformer und Wissenschaftler.
- Militärische „Hilfeleistung“: Von Steubens Einsatz im Unabhängigkeitskrieg wurde in den USA als große Freundschaftstat und essenzielle Hilfe gesehen. Die spätere Orientierung am preußischen Militärmodell war ein Zeichen großen Respekts.
- Die menschliche Brücke der Auswanderer: Hunderttausende Preußen fanden in den USA eine neue Heimat, integrierten sich und wurden zu Botschaftern der deutschen Kultur. Diese massenhafte Migration schafft eine ganz besondere, familiäre Verbindung, die über reine Diplomatie hinausgeht.
Argumente, die GEGEN eine reine „Freundschaft“ sprechen:
- Es war eine Partnerschaft des Nutzens (Realpolitik):
- Der Handelsvertrag von 1785 war für beide Seiten wirtschaftlich vorteilhaft.
- Preußens Unterstützung der Union im Bürgerkrieg war weniger aus Liebe zur Sklavenbefreiung motiviert, sondern vielmehr aus machtpolitischen Gründen. Otto von Bismarck lehnte das Prinzip der Sezession (Abspaltung) ab, weil er gerade selbst einen deutschen Nationalstaat gegen partikulare Interessen durchsetzte. Eine Zerschlagung der USA widersprach diesem Prinzip.
- Keine uneingeschränkte Loyalität: Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 sympathisierten viele Amerikaner zwar mit den „underdog“-Deutschen, aber die US-Regierung blieb offiziell neutral. Es gab keine militärische Hilfe.
- Unterschiedliche Regierungssysteme: Die USA waren eine Republik, Preußen eine autoritäre Monarchie. Diese grundlegende ideologische Differenz war immer präsent. Die „Forty-Eighters“ flohen ja gerade vor diesem preußischen Obrigkeitsstaat in die USA.
Fazit:
Statt einer ungetrübten „Länderfreundschaft“ war es eher eine „spezielle besondere Beziehung“, die auf mehreren starken Säulen ruhte:
- Eine Säule der Bewunderung (für Wissenschaft, Bildung, Militäreffizienz)
- Eine Säule der Migration (die tiefe kulturelle und verwandtschaftliche Bande knüpfte)
- Eine Säule des strategischen Nutzens (in Handel und Geopolitik)
Diese Mischung machte die preußisch-amerikanische Beziehung einzigartig, intensiv und für beide Seiten außerordentlich wichtig, auch wenn sie nicht immer einer romantischen Freundschaft im heutigen Sinne entsprach. Mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 ging diese spezifisch „preußische“ Beziehung dann in der deutsch-amerikanischen Beziehung auf.
Ab 1890 nach Bismarcks Einflusses auf die deutsche Politik fuhr der noch junge Wilhelm II, der nur durch die Kehlkopfkrebserkrankung und Tod nach 99 Tagen Regentschaft von Friedrich III. an die Macht kam, eine agressivere und teils naive Aussenpolitik.
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