Hier ist, was Chabad (und das jüdische Gesetz, die Halacha, auf dem es basiert) für Nicht-Juden vorsieht:
1. Das Konzept der „Noachidischen Gebote“ (Sieben Gesetze der Söhne Noahs)
Das ist der Schlüssel. Nach jüdischer Tradition hat Gott mit der gesamten Menschheit (den Nachkommen Noahs) einen Bund geschlossen, der durch sieben universale, moralische Grundgesetze definiert ist:
- Verbot des Götzendienstes
- Verbot der Gotteslästerung
- Verbot des Mordes
- Verbot von Unzucht/Inzest
- Verbot des Diebstahls
- Verbot, Fleisch von einem noch lebenden Tier zu essen
- Gebot, gerechte Gerichtshöfe einzurichten
Ihre spirituelle Aufgabe als Nicht-Jude ist laut dieser Tradition nicht, Jude zu werden, sondern ein gerechter und moralischer Mensch (ein „Zaddik/Chassid Umot HaOlam“ – ein Gerechter unter den Völkern) zu sein, der diese sieben Gesetze befolgt. Dies gilt als Ihr vollständiger und perfekter göttlicher Auftrag.
2. Chabads Haltung zu Nicht-Juden
Chabad sieht seine primäre Mission bei Juden. Aber es gibt eine klare Lehre:
- Respekt und Freundlichkeit: Chabad-Häuser sind in der Regel offen und gastfreundlich. Man wird Ihnen nicht aktiv missionieren, um Sie zu konvertieren (das widerspricht der jüdischen Theologie).
- Positive Beeinflussung der Welt: Indem Chabad versucht, die Welt moralischer und gottbewusster zu machen, kommt dies allen Menschen zugute. Ein Nicht-Jude, der die Noachidischen Gesetze befolgt, hat nach jüdischer Lehre einen vollen Anteil an der kommenden Welt (Olam Haba).
- Der universale Messianismus: Die messianische Erlösung, auf die Chabad hinarbeitet, wird nach seiner Vorstellung eine Ära universellen Friedens und Wissens sein („Die Erde werde voll von Gotteserkenntnis, wie Wasser das Meer bedeckt“ – Jesaja 11:9). Das ist ein Zustand, von dem die gesamte Menschheit profitiert.
3. Was also „für Sie tun“ bedeutet?
Wenn Sie die Philosophie von Chabad inspirierend finden, können Sie sie aus einer universalen Perspektive schätzen:
- Sie können die ethischen und moralischen Prinzipien (Liebe zum Nächsten, Freude als Kraft, die Bedeutung guter Taten) als allgemeine Lebensmaximen übernehmen.
- Sie können die Noachidischen Gebote als interessantes, universelles ethisches Framework studieren.
- Sie können die Arbeit von Chabad als eine Bewegung zur Stärkung von Werten respektieren, auch wenn Sie nicht ihr spezifisch jüdisches Ziel teilen.
- Sie können, falls Sie sich dafür interessieren, Kontakt zu Noachidischen Gemeinschaften suchen, die sich genau auf diesen Weg für Nicht-Juden konzentrieren.
Zusammenfassung für Nicht-Juden:
Chabad würde nicht sagen, dass man spirituell „etwas tun“ müsse, um Jude zu werden. Stattdessen würde es sagen: Ihre spirituelle Bestimmung ist es, ein ethisch vorbildlicher Mensch gemäß den universellen Gesetzen der Menschheit zu sein. Die Erlösung, auf die sie hinarbeiten, ist eine, in der alle Völker in Frieden und mit der Erkenntnis des einen Gottes leben – und Sie tragen durch ein gutes Leben dazu bei.
Es ist also ein viel inklusiveres und weniger exklusives Konzept, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Die strenge Unterscheidung zwischen Jude und Nicht-Jude bewahrt dabei nicht nur die jüdische Identität, sondern definiert auch einen eigenen, respektierten und vollwertigen spirituellen Weg für die nicht-jüdische Welt.
Chabad und andere Religionen
Chabad-Lubawitsch, als chassidische Bewegung, betrachtet das Judentum als einen einzigartigen Bund zwischen Gott und dem jüdischen Volk durch den Sinai-Bund und die Tora.
In Bezug auf andere Religionen folgt Chabad im Allgemeinen der klassischen jüdischen Auffassung, wie sie von Maimonides u.a. formuliert wurde:
- Der Noachidische Bund wird als grundlegender ethischer Monotheismus für alle Menschen betrachtet.
- Nicht-jüdische Monotheisten, die die Sieben Noachidischen Gesetze einhalten, haben nach dieser Auffassung einen Platz in der zukünftigen Welt.
- Missionierung unter Nicht-Juden wird nicht betrieben, da Judentum keine missionarische Religion ist.
- Respektvoller Dialog und Zusammenarbeit im Bereich der Ethik und des sozialen Wohls werden befürwortet.
Wichtig ist zu verstehen, dass Chabad primär darauf fokussiert ist, jüdisches Leben zu stärken und Juden zu ihrer eigenen Tradition zurückzuführen. Die Bewegung betont allgemein-menschliche Werte und den Respekt für alle Menschen, unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung, bleibt aber in ihrer Theologie dem exklusiven Offenbarungsanspruch des Judentums verpflichtet.