Zionismus im Dritten Reich

Ein kaum beachtendes Thema, was ich vor einigen Jahren während der COVID-Krise entdeckte, war die Verbindung der Nazis zu Zionisten. Auf dem ersten Blick eher paradox, denn Hitler war ja dem Judentum überhaupt nicht positiv eingestellt. Allerdings ist der Zionismus eine eigenständige Ideologie innerhalb des Judentums, um es mal sehr grob zu erklären. Selbst Nichtjuden (Gojim), sofern sie den Zionismus unterstützen, sind letzlich „Zionisten“. Warum arbeitete Hitler und die SS mit den Zionisten zusammen ?

Der Grund war eine offensichtliche WIN-WIN-Situation beider Ideolgien. Die Zionisten wollten ein unabhängiges staatliches zionistisches jüdisches Palästina (kein britisches Mandat, keine Araber). Die Nazis wollten keine Juden in Deutschland, später in Europa. Klingt erstmal nach einer im Verhältnis zu den späteren Ereignissen vernünftig, wenn auch eben auch nationalistisch und rassistisch, auf beiden Seiten wohlgemerkt. Ich distanziere mich gründlich vom Nationalsozialismus als auch vom Antisemitismus wie grundsätzlich bei allen immer noch heutzutage „heißen“ Themen des Dritten Reiches. Mir geht es einfach um die Wahrheit, die anscheinend bislang tausende Bücher wert ist bis heute. Fangen wir an…

Herzl’s Traum

Nach der Veröffentlichung seines Buches Der Judenstaat im Jahr 1896 trieb Theodor Herzl (1860-1904) die praktische Umsetzung seiner Vision eines „souveränen jüdischen Staates“ maßgeblich voran. Seine Bemühungen führten zur Gründung der zionistischen Bewegung als politischer Organisation. 

Chronologie seit 1896:

  • Gründung der Zionistischen Organisation: Herzl war die treibende Kraft bei der Institutionalisierung des politischen Zionismus.
  • Erster Zionistenkongress 1897: Der Höhepunkt seiner frühen Arbeit war die Einberufung des ersten Zionistenkongresses in Basel im August 1897. Dieses Ereignis gilt als die Geburtsstunde der organisierten zionistischen Bewegung, bei dem Herzl den Grundstein für den zukünftigen Staat Israel legte.
  • Basler Programm: Auf diesem Kongress wurde das „Basler Programm“ verabschiedet, das die Schaffung einer „öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte“ für das jüdische Volk in Palästina zum Ziel erklärte.
  • Diplomatische Missionen: In den folgenden Jahren unternahm Herzl zahlreiche diplomatische Reisen, um die Unterstützung verschiedener Mächte, darunter das Osmanische Reich (das Palästina kontrollierte), Deutschland und Großbritannien, für das zionistische Projekt zu gewinnen.
  • Schaffung von Institutionen: Herzl initiierte die Gründung von Finanzinstitutionen wie der Jewish Colonial Trust Bank (1899) und des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kayemet LeIsrael, KKL), um den Landerwerb in Palästina zu finanzieren. 

Herzls unermüdlicher Einsatz nach 1896 verwandelte eine literarische Idee in eine politisch organisierte Bewegung, die schließlich über 1917 (Balfour) und 1933 (Ha’Vaara) und der leidlichen Vernichtung der Juden (Holocaust 1942-45) 1948 zur Gründung des Staates Israel führte. Über die Jahre hinweg haben sich Menschen vieler Länder mit der „Judenfrage“ auseinandergesetzt: Welche Rolle sollten Juden in der nichtjüdischen Gesellschaft spielen? In den 1930er Jahren vertraten jüdische Zionisten und deutsche Nationalsozialisten ähnliche Ansichten zum Umgang mit dieser Frage. Sie waren sich einig, dass Juden und Deutsche unterschiedliche Nationalitäten als auch Rassen seien und Juden nicht nach Deutschland gehörten. Juden im Reich sollten daher nicht als „Deutsche jüdischen Glaubens“, sondern als Angehörige einer eigenen nationalen Gemeinschaft betrachtet werden. Der Zionismus (jüdischer Nationalismus) „implizierte“ die Verpflichtung zionistischer Juden, sich in Palästina (1933 unter Britischer Herrschaft/ 73% Muslime), dem „jüdischen Heimatland“, anzusiedeln. Sie konnten sich kaum als aufrichtige Zionisten bezeichnen und gleichzeitig gleiche Rechte in Hitler-Deutschland oder einem anderen „fremden“ Land beanspruchen.

Theodor Herzl vertrat die Ansicht, dass Antisemitismus KEINE Abweichung, sondern eine natürliche und völlig verständliche Reaktion von Nichtjuden auf ihnen fremdes jüdisches Verhalten und Einstellungen sei. Die einzige Lösung, so argumentierte er, bestehe darin, dass Juden die Realität anerkennen und in einem eigenen Staat leben. Das Land Israel (Eretz Israel): Talmud und Tora betonen die Bedeutung des Landes Israel als verheißenes Land, was die Basis für den religiösen Zionismus bildet.
Interessant: „Die Drei Eide“ (Shevuot): Im babylonischen Talmud gibt es eine Passage, die Juden verbietet, in Massen nach Israel zurückzukehren oder gegen die dortigen Nationen zu rebellieren; jedoch interpretieren Gelehrte wie Maimonides diese Eide metaphorisch oder betonen die Wichtigkeit des Lebens im Land, was zionistische Interpretationen später beeinflusste. Der Talmud liefert also das WAS (religiöse Texte, Gebote, Land). Der Zionismus ist das Wie und Warum (die politische Bewegung), die versucht, die religiösen und historischen Verpflichtungen aus den Texten in die Realität umzusetzen, indem sie eine Heimstatt in Zion schafft.


„Die Judenfrage existiert überall dort, wo Juden in nennenswerter Zahl leben“, schrieb Herzl in seinem einflussreichsten Werk. „Wo sie nicht existiert, wird sie durch zuwandernde Juden (Deutschland, Österreich-Ungarn, Polen etc.) eingeführt … Ich glaube, ich verstehe den Antisemitismus, der ein sehr komplexes Phänomen ist. Ich betrachte diese Entwicklung als Jude, ohne Hass oder Furcht.“

Die Judenfrage, so Herzl, sei weder sozial noch religiös. „Es ist eine nationale Frage. Um sie zu lösen, müssen wir sie vor allem zu einer internationalen politischen Frage machen …“ Ungeachtet ihrer Staatsbürgerschaft, betonte Herzl, bildeten Juden nicht nur eine Religionsgemeinschaft, sondern eine Nationalität, ein Volk . Der Zionismus, schrieb Herzl, biete der Welt eine willkommene „Lösung der Judenfrage“.

„Wir wollen dem jüdischen Volke eine rechtlich gesicherte Heimstätte bereiten, in
seiner alten Heimat Palästina. Das halten wir für die endgültige Lösung der
Judenfrage.

(Herzl, „Die Welt“, Nr.26, S.2, 1899)

Zwar benutzte Herzl nicht den Begriff „Endlösung“, aber betrachtete seine Idee als „Ende“ des jüdischen Problems der Diaspora. Man darf daher nicht die „Endlösung“ der Nazis mit der Lösung Herzls „gleichsetzen“. Zumindest nicht ab 1942.

Karl Marx war 1944 übrigens völlig anderer Ansicht. Ein Vergleich beider Typen:

Marx‘ Meinung (in „Zur Judenfrage“, 1843) basierte auf der Idee der universellen Emanzipation. Er sah die „Judenfrage“ nicht als ein spezifisch jüdisches Problem, sondern als Symptom der bürgerlichen Gesellschaft und des Kapitalismus. Marx argumentierte, dass das „praktische Judentum“ (das er mit „Schacher und Geldmacherei“ gleichsetzte) zum allgemeinen Prinzip der modernen, christlich-bürgerlichen Gesellschaft geworden sei. Die Lösung war für ihn die vollständige gesellschaftliche und menschliche Emanzipation durch die Überwindung des Privateigentums und des Kapitalismus in einer sozialistischen Revolution, wodurch sowohl Juden als auch Christen vom „Judentum“ (im ökonomischen Sinn) befreit würden. Eine separate nationale Identität oder ein eigener jüdischer Staat war für ihn irrelevant.
Herzels Zionismus (in „Der Judenstaat“, 1896) entstand Jahrzehnte später als Reaktion auf den wachsenden, virulenten Antisemitismus in Europa, den er als unlösbar in der bestehenden Gesellschaft ansah. Herzl glaubte nicht an eine mögliche Assimilation oder eine allgemeine Emanzipation als Lösung. Stattdessen sah er die Juden als eine Nation an, die eine nationale Heimstätte benötigte, um dem Antisemitismus zu entkommen und Selbstbestimmung zu erlangen. Seine Lösung war die politische Souveränität in einem eigenen, säkularen jüdischen Staat (in Palästina oder Argentinien), gesichert durch internationales Recht.

Ha’Vaara-Abkommen (1933)

Etwa Juli 1933 legte der „Zionistische Bund Deutschlands“ (die mit Abstand größte zionistische Organisation des Landes) der neuen Regierung ein detailliertes Memorandum vor, in dem die deutsch-jüdischen Beziehungen analysiert und die zionistische Unterstützung bei der „Lösung“ der heiklen „Judenfrage“ formell angeboten wurde. Der erste Schritt, so der Vorschlag, müsse ein offenes Eingeständnis der grundlegenden nationalen Unterschiede sein:

Der Zionismus macht sich keine Illusionen über die schwierige Lage der Juden, die vor allem in einer unnatürlichen Berufsstruktur und einer intellektuellen und moralischen Haltung besteht, die nicht in der eigenen Tradition verwurzelt ist. Der Zionismus erkannte bereits vor Jahrzehnten, dass infolge der Assimilationstendenz zwangsläufig Anzeichen des Verfalls auftreten würden… Der Zionismus ist überzeugt, dass die Wiedergeburt des nationalen Lebens eines Volkes, die sich gegenwärtig in Deutschland durch die Betonung seines christlichen und nationalen Charakters vollzieht, auch in der jüdischen Volksgruppe stattfinden muss. Auch für das jüdische Volk müssen nationale Herkunft, Religion, gemeinsames Schicksal und das Bewusstsein seiner Einzigartigkeit für die Gestaltung seines Daseins von entscheidender Bedeutung sein. Dies bedeutet, dass der egozentrische Individualismus der liberalen Ära überwunden und durch ein Gemeinschaftsgefühl und kollektive Verantwortung ersetzt werden muss. Wir glauben, dass gerade das neue [nationalsozialistische] Deutschland durch kühne Entschlossenheit im Umgang mit der Judenfrage einen entscheidenden Schritt zur Überwindung eines Problems unternehmen kann, mit dem sich in Wahrheit die meisten europäischen Völker auseinandersetzen müssen… Unsere Anerkennung der jüdischen Nationalität ermöglicht eine klare und aufrichtige Beziehung zum deutschen Volk und seinen nationalen und ethnischen Realitäten. Gerade weil wir diese Grundprinzipien nicht verfälschen wollen, weil auch wir Mischehen ablehnen und für den Erhalt der Reinheit der jüdischen Gemeinschaft eintreten und jegliche Übergriffe im kulturellen Bereich zurückweisen, können wir – da wir in der deutschen Sprache und Kultur aufgewachsen sind – den Werken und Werten der deutschen Kultur mit Bewunderung und innerer Verbundenheit begegnen. Für seine praktischen Ziele hofft der Zionismus, die Zusammenarbeit selbst einer Regierung zu gewinnen, die den Juden grundsätzlich feindlich gesinnt ist, denn bei der Behandlung der Judenfrage geht es nicht um Sentimentalitäten, sondern um ein reales Problem, dessen Lösung alle Völker und gegenwärtig insbesondere das deutsche Volk interessiert… Boykottpropaganda – wie sie derzeit in vielerlei Hinsicht gegen Deutschland betrieben wird – ist im Kern unzionistisch, denn der Zionismus will nicht kämpfen, sondern überzeugen und aufbauen… Wir verschließen nicht die Augen vor der Tatsache, dass die Judenfrage existiert und weiterhin bestehen wird. Aus der Sonderstellung der Juden ergeben sich für sie gravierende Nachteile, aber auch für andere Völker kaum erträgliche Bedingungen.

Quellen: Memo vom 21. Juni 1933, in: L. Dawidowicz, A Holocaust Reader (New York: Behrman, 1976), S. 150–155, und (teilweise) in: Francis R. Nicosia, The Third Reich and the Palestine Question (Austin: Univ. of Texas, 1985), S. 42; Zum Zionismus in Deutschland vor Hitlers Machtergreifung siehe: Donald L. Niewyk, The Jews in Weimar Germany (Baton Rouge: 1980), S. 94–95, 126–131, 140–143; F. Nicosia, Third Reich (Austin: 1985), S. 1–15.

Interessant hierbei ist, das die Zionisten die sogenannte „Kriegserklärung und US-Boykott“ vom März 1933 eher ablehnt und kritisierte. Man wolle „nicht kämpfen“. Daraus erschließt sich, das es noch eine „ANDERE“ jüdische oder nicht-jüdische Partei gegeben haben muss, die den Zionismus und das Vorhaben ablehnt.

Vielleicht nebenbei ganz interessant hierzu, das der Stalinismus/Bolschewismus/Kommunismus ein Feind der Zionisten darstellte. (Recherche via deepseek 11/25)

Bis Ende 1938 erlebte die zionistische Bewegung in Deutschland unter Hitler ein „Hoch“. Die Auflage der zweiwöchentlich erscheinenden „Jüdischen Rundschau“ des Zionistischen Bundes stieg enorm. Es wurden zahlreiche zionistische Bücher wurden veröffentlicht. „Die zionistische Arbeit lief in Deutschland in jenen Jahren auf Hochtouren“, vermerkt die Encyclopaedia Judaica. Ein 1936 in Berlin abgehaltener zionistischer Kongress spiegelte „in seiner Zusammensetzung das rege Parteileben der deutschen Zionisten wider“. Selbst die SS unterstützte den Zionismus aktiv. Ein internes SS-Positionspapier vom Juni 1934 forderte eine aktive und umfassende Unterstützung des Zionismus durch Regierung und Partei als besten Weg, die Auswanderung deutscher Juden nach Palästina zu fördern.
(Francis R. Nicosia, The Third Reich and the Palestine Question (1985), pp. 54-55.; Karl A. Schleunes, The Twisted Road to Auschwitz (Urbana: Univ. of Illinois, 1970, 1990), pp. 178-181.)

SS-Offizier Leopold von Mildenstein und Funktionär der Zionistischen Föderation, Kurt Tuchler, bereisten sechs Monate lang gemeinsam Palästina, um sich ein Bild von der dortigen zionistischen Entwicklung zu machen. Basierend auf dessen Beobachtungen verfasste von Mildenstein eine zwölfteilige Artikelserie mit Illustrationen für die bedeutende Berliner Tageszeitung „ Der Angriff “, die Ende 1934 unter dem Titel „Ein Nazi reist nach Palästina“ erschien.

In der SS-Zeitung „Das Schwarzer Korps“ erschien 1935 folgender Artikel:
Die Anerkennung des Judentums als einer auf Abstammung und nicht auf Religion basierenden Rassengemeinschaft veranlasst die Bundesregierung, die Rassentrennung dieser Gemeinschaft vorbehaltlos zu garantieren. Die Bundesregierung stimmt vollumfänglich mit der großen spirituellen Bewegung innerhalb des Judentums, dem sogenannten Zionismus, überein, der die weltweite Solidarität des Judentums anerkennt und jegliche Assimilationsbestrebungen ablehnt. Auf dieser Grundlage ergreift Deutschland Maßnahmen, die künftig sicherlich eine bedeutende Rolle im Umgang mit der Judenfrage weltweit spielen werden.

Es war also KEINE Nazipropaganda, sondern eine gemeinsame öffentliche Darlegung an die Welt (sofern sie deutsche Zeitungen lasen oder lesen wollten). Auch die Tötungsabsicht kann nicht unterstellt werden, denn Hitler wusste von Stalins Massenmorden, er hätte es ähnlich tun können. Warum erst 1942 ?

Nürnberger Gesetze (1935)

„Auf dem Zionistenkongress, der gerade in der Schweiz zu Ende ging, wurde festgestellt, dass die Juden eine eigene Nation sind, und daher proklamierten die Redner Forderungen nach nationalen Interessen des Judentums“, heißt es in der Stellungnahme. „Deutschland hat nur die praktischen Schlüsse aus diesen Forderungen gezogen. Es erfüllt lediglich diese Forderungen, wenn es die Juden in eine nationale Minderheit umwandelt.“
(Jewish Telegraphy Agency, 16.September 1935)

  • Zionistische Gesellschaften (1933)
  • Wie stand Hitler zum Christentum ?
  • Reichskonkodorat 1933
  • Zionistische Verbindungen zum NS-Regime
  • Hitler, Bormann, Eichmann
  • Ha’vaara Abkommen (1933)